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Asthma ist ein Hurensohn

Heute gibt es mal ein Vorwort. Weil ich Lust habe eines zu schreiben. Und weil ich denke, dass es dieses Mal sehr sinnvoll ist. Weil es auch um einen Lebensinhalt geht, der mir aufgedrückt wurde. Unter dem ich zu leiden habe. Daher kläre ich besser vorbeugend auf, damit keiner auf die Idee kommt, mich zu verurteilen, weil ich angeblich um Mitleid bettle. Wer dies denkt, hat den Kern grandios verfehlt. Ich sage ja nicht, dass mein Leben so viel schwerer ist als deines. Ich weiß, dass dir ebenfalls Dinge zu schaffen machen. Das hat jeder. Da ich das weiß, warum sollte ich meine Schwierigkeiten auch dann totschweigen, wenn es sinnvoll ist diese zu thematisieren? Ich geh ja auch nicht damit hausieren. Aber permanent darauf zu achten, ja nicht durchblicken zu lassen, was für ein Leid man zu bewältigen hat, nur damit irgendwelche Proleten NICHT lautstark verkünden, dass ich nur nach Aufmerksamkeit lechze, ist mir echt zu ineffizient. Ich weiß, hier geht es „schon wieder“ unter anderem um die Tatsache, dass ich besser die Finger von Zigaretten lasse. Jammer nicht rum, lies einfach. Oder lass es. Ich hab auch noch einige Ansätze auf dem Zettel, die nichts mit Rauchen zu tun haben. Die werden auch alle noch kommen. Jetzt kommt halt erstmal das hier.

Damals war noch alles gut. Man hat einen Job, den man mag, überwiegend angenehme Menschen um sich, wohnt quasi mitten in der Natur. Von Zeit zu Zeit kriegt man vom Chef eins auf den Deckel, weil man Scheiße gebaut hat, da man nun mal nie zuvor in diesem Bereich tätig war. Du Arsch. (Falls du das eines Tages lesen solltest: Nicht persönlich nehmen. Du warst ein toller Chef.) Der beruhigt sich aber auch wieder. Schließlich kann er sich seine Bufdis (Bundesfreiwilligendienstleistende) nicht aussuchen, dafür ist die Bereichsleitung zuständig. Jene Bereichsleitung, die man auch mal um 6 Uhr morgens zum Bahnhof fährt. Grins. Zum Feierabend setzt man sich gemütlich auf die Terasse, trinkt sein Feierabendbier und raucht genüsslich eine Zigarette. Oder auch 3. Am Wochenende vielleicht auch mal nen Joint. (Ja verdammt, nur am Wochenende. Ich habe nie gekifft, wenn ich den nächsten Tag arbeiten musste. Hör mal auf alles zu verteufeln, auf das Maß kommt es an.)

Und das jenseits vom Lärm der Stadt. Man hört höchstens mal die Melodie der Vögel. Und zwischendurch mal ein Auto, das auf der 500m entfernten Straße die Stille zerreißt. Aber davon abgesehen ist es ein Paradies. In dem dich niemand hört, wenn du anfängst Lieder von Bruno Mars zu singen. Bis auf die Kühe, die sofort angerannt kommen, sobald du anfängst. (Der Anblick war grandios.)Das ist ein Paradies, in dem ich nur für ein Jahr bleiben durfte. Weil das beim Bundesfreiwilligendienst nun mal so ist. Dann beginnt das Paradies zu verschwinden. Das Jahr ist vorbei, man muss weiterziehen. Wenig später die Diagnose: Lunge im Arsch. Testen auf Asthma. Ist nicht euer Scheiß Ernst. Fehlt nur noch, dass meine Leber nachgibt. Obwohl ich noch weniger trinke, als ich geraucht habe. Ich meine, so spannend ist es auch wieder nicht. Man denkt zwar gerne an die Zeiten vor ca. 4 Jahren zurück, als man noch jung war. Ja, beim Gedanken an den Vatertag mit dem Bollerwagen muss ich schmunzeln. Bei anderen Dingen den Kopf schütteln. Aber das sind Erinnerungen. Jetzt trinke ich nur noch gelegentlich mal ein Bier oder ein paar Kurze. Und das bitte, ohne dass meine Leber abnippelt. Ist ja wohl nicht zuviel verlangt.

Die gesundheitlichen Einbußen, die man beim Rauchen in Kauf nehmen muss, sind mir natürlich bekannt. Ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern… Ich bin also damals diesen Kompromiss bewusst eingegangen. Ein Stück meiner Gesundheit für eine Möglichkeit, schnell und unkompliziert Stress abzubauen und einen Moment zu entspannen. Meine Hausärztin hatte dafür nicht so viel Verständnis. Eine Zigarette zu rauchen hätte den gleichen Effekt, den man auch erhält, wenn man sich für – sagen wir mal – 2 Minuten vor einen Schadstoffe ausstoßenden Auspuff setzt. Ich würde mich ja auch nicht hinter einen LKW setzen, tief einatmen und sagen „Jetzt geht’s mir besser.“ Stimmt. Aber auch nur, weil der Auspuff mir zu stark bläst. Und vielleicht, weil er mir zu sehr nach Sprit riecht. Mit dem Rauchergeruch haben viele zwar auch gewisse Probleme, der hat aber zugegeben keine erhöhte Brandgefahr, sondern ist mit einem langsameren Tod verbunden. Geil. Wir müssen doch ständig Kompromisse eingehen. Ich verstehe nicht, warum das ausgerechnet bei unserer Gesundheit aufhören sollte. Wenn wir sie für die Arbeit aufgeben, sagt ja auch keiner was. Und die Arbeiter im Handwerk, die jenes tun, werden häufig nicht einmal angemessen dafür entlohnt. Aber das kommt in einem anderen Beitrag…

 

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