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Datenschutz für’n Arsch!

Eigentlich sollte diese Woche was anderes kommen. Was Schönes. Über „perfekte Momente“. Weil ich ja nicht nur fähig dazu bin, mich aufzuregen. Auch ich kann mich freuen. Der Text war auch fertig, ich war happy. Ein Meisterwerk, natürlich. Dann ist mir eingefallen, dass ich meine Mutter ja einst fragte, ob sie ein Problem damit hätte, als „meine Mutter“ genannt zu werden. Hatte sie nicht. Natürlich fragte ich auch diesmal beteiligte Personen, ob ich sie anonym nennen dürfe. Da heißt es plötzlich: Nö. Will ich nicht. Zack, Laune im Keller. Ich respektiere die Entscheidung natürlich, darf sie ja wohl dennoch für überzogen halten und angepisst sein.

Datenschutz ist doch mittlerweile kaum mehr als eine Illusion. Das Meiste davon wird nur noch vorgespielt. Wer an konsequenten Datenschutz glaubt und mir vorwirft, dass ich an Gott glaube, muss doch komplett der Matrix zum Opfer gefallen sein. Nimm die blaue Pille, die schmeckt besser. Dann sag ich dir auch, dass alles schön ist und ich natürlich nicht weiß, dass du eine Vorliebe für italienische Pornos hast. Oder asiatische. Ich kenn mich da nicht so aus, ich weiß nicht welche besser sind.

Die meisten Menschen sind auch noch bei Facebook, Google, WhatsApp etc. Ich habe schon deutlich gemacht, dass ich nichts generell gegen soziale Netzwerke oder Messengerapps habe. Schließlich nutze ich selbst ein wenig davon. Ich bin aber nicht so naiv zu glauben, dass meine Daten wirklich immer so sicher sind, wie erzählt wird. Edward Snowden ist noch ein Begriff? Der da mal die Whistle geblowt hat? Was hat sich denn seitdem getan? Die Geschichte hat tatsächlich damals mein Weltbild stark verändert. Nicht etwa, weil rauskam, dass Menschen einfach so ohne ihr Wissen abgehört werden. Sondern weil das wirklich so viele überrascht hat. Snowden so: „Hey, die USA werden abgehört!“ Rest der Welt so: „Nein! Hat er jetzt nicht gesagt!“ „Jaha, und Deutschland auch!“ „Nein! Hat er nicht rausgehauen!“ „Und China! Und Land X! Und Land Y!“ „Nein! Nein! Nein!“ So, als ob jedes Land, welches sich in die Schlange einreiht, einen erneuten Vertrauensbruch darstellt. Sorry, das will mir nicht in den Kopf. Vertrauen lässt sich nur ein Mal brechen. Zumindest ergibt es nur so einen Sinn. Ich sag ja auch nicht, nachdem die Bruchstücke eines gesprungenen Tellers ein zweites Mal gesprungen sind: „Oh, das hat jetzt nochmal einen draufgesetzt. Ich bin doppelt erschüttert.“ Kaputt ist kaputt.

Wenn du nicht willst, dass man rausfinden kann, was du so treibst, dann meld‘ dich bei Facebook ab. Bei Twitter. Google. Apple. Samsung. Email-Account. Schmeiß dein Handy weg. Schließe dein Bankkonto. Melde deinen Wohnsitz ab. Spätestens hier wird es kriminell, denn der Staat will natürlich über deinen Rückzugsort Bescheid wissen. Arbeite fortan schwarz. Denn du willst ja nicht, dass ans Licht kommt, dass du irgendwann mal gekifft hast. Oder dass du mal sturzbesoffen gekotzt hast. Oder was man sonst ausgraben könnte. Weil du den Status eines Heiligen haben willst. Was dir ohnehin niemand abnehmen würde, weil es keine heiligen Menschen gibt.

Das soll nicht bedeuten, dass ich derartige Abhöraktionen gutheiße. Ich finde es allerdings lächerlich, davon auszugehen, es würden keine stattfinden und dann bestürzt zu sein, wenn man erfährt, dass man doch überwacht wurde. Sieh‘ dich doch um. Niemand vertraut mehr dem Anderen. Aus gutem Grund. Denn der Andere ist auch ein Mensch – und als solcher potenziell gefährlich. Denn vielleicht ist es ja der nächste Hitler. Getarnt als Mutter Theresa. Oder so.

Über „perfekte Momente“ werde ich natürlich trotzdem eines Tages schreiben. Wenn ich den zweiten erlebt habe.

  1. Finde deine kritische Einstellung sehr richtig! Wir müssen lernen, damit umzugehen, dass leider oft der Medienkonzern seine eigene Regeln im Internet aufschreibt. Ob wir das wollen oder nicht – Facebook hat ein Recht auf unsere Daten. Wer dem wirklich etwas entgegensetzen will, muss sich abmelden.
    Leider denken ja immer noch viele Menschen, dass wir soziale Netzwerke kostenlos nutzen. Jedoch bezahlen wir mit einem viel höheren Preis – mit unserer Persönlichkeit.

    • Wobei hier der Preis variiert. Manch einer zahlt wohl dennoch nicht viel.^^

      • Es kommt natürlich immer darauf an, wie viel man von sich preisgibt. Aber ist das nicht gerade die Funktion sozialer Netzwerke? Etwas von sich preis geben?

        • Schon irgendwie. Aber da scheint mir zweierlei Maß gemessen zu werden..

  2. Wenn es ohnehin egal ist, wieso fragst du dann nicht? Entweder es ist doch nicht egal oder du bist inkonsequent. 😉

    Von der kleinen Stichelei abgesehen: Solange wir noch das Recht haben, nein zu sagen, sollten wir davon auch Gebrauch machen. Ich bin manchmal tatsächlich ein wenig erschüttert, was Google alles über mich weiß. WordPress hingegen glaubt einige falsche Dinge von mir. Algorithmen sind glücklicherweise nicht allmächtig.
    Klar ist, dass sich konsequente Privatsphäre nicht gewährleisten lässt, selbst wenn man in die Hütte im Wald geht. Das heißt aber nicht, dass man resignieren und seine Freiheit, nein zu sagen, über Bord werfen sollte. Extremismus ist so gut wie nie ein kluger Ratgeber. Und das Leben ist immer ein Kompromiss. Und manchmal ist der Tausch Daten gegen Dienstleistung nicht zu unserem Nachteil. Aber es muss ein Tausch bleiben. Das ist der Skandal um Snowden. Und er muss transparent sein. Das ist der Skandal von Facebook und co.

    • Wenn was egal ist? Hab den Kommentar gerade erst gefunden, komm jetzt nicht dahinter 😀
      Natürlich sollte man seine Rechte wahrnehmen, gleichzeitig aber auch den anderen den Freiraum lassen, mit diesem Bestehen auf dem Recht umzugehen. Manchmal frage ich mich, was Menschen sich davon versprechen, Dinge zurückzuhalten. Bei anderen ergibt es natürlich Sinn, aber wo hört diese Sinnhaftigkeit auf? Ist sie relativ?

      • Wenn Datenschutz ohnehin egal ist: Wieso fragst du die Personen, über die du schreiben willst, überhaupt ob du es darfst? Wenn Datenschutz ohnehin egal ist, schreib doch einfach. 😉
        Die Frage „Welchen Sinn macht es, Daten zurückzuhalten?“ ist übrigens schon die falsche Frage. Damit folgt man der Logik: Ich habe nichts zu verbergen und jeder, der etwas zurückhält, hat etwas zu verbergen. Die Sinnhaftigkeit ist nicht relativ. Grundsätzlich gilt: Alles, was privat ist, ist privat. Das geht niemanden etwas an. Auch die Gründe, warum etwas privat ist, gehen niemanden etwas an, wenn man Privatheit und Datenschutz ernst nimmt. Das Teilen von privaten Informationen ist ein Privileg für denjenigen, mit dem sie geteilt werden. Darauf gibt es kein Recht. Durch deine Sinnfrage versuchst du das Prinzip umzudrehen und zerstörst damit letztendlich das Recht auf Privatsphäre.

        • Achso. Nein, er ist natürlich nicht egal. Ich glaube aber, er ist nicht so real wie er scheint.? Ich frage nicht nach dem Sinn des Zurückhaltens von Daten, sondern was der Mensch sich davon verspricht. Da ist für mich ein Unterschied. ? Denn natürlich hat man das Recht dazu. Ich habe nur den Eindruck, dass es Situationen gibt, die durch ein Zurückhalten unnötig verkompliziert werden, was mich dann zu der Frage führt „Warum besteht diese Person darauf? Ist das wirklich so privat?“ In dem Fall respektiere ich das natürlich. Es verträgt sich aber nicht mit meinen Maßstäben, was bei mir schlicht für Verwirrung sorgt ?

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