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Erzeuger ist nicht gleich Vater

Also biologisch gesehen schon. Aber Biologie macht nun mal bei weitem nicht den ganzen Menschen aus, sondern eben nur den Körper. Einen neuen Menschen zu zeugen, der dann selbständig agieren wird -auch wenn sich das die erste Zeit auf Schreien, Krabbeln, und Kacken bezieht-, klingt zwar erstmal unheimlich toll, besonders viel gehört doch aber nicht dazu. Tatsächlich bedarf es nur dieses einen Momentes, in dem der Mann seine Patronen abschießt. So eine wahnsinnig große Leistung ist das nun wirklich nicht. Bestimmt fühlt man sich irgendwo stolz, neues Leben geschaffen zu haben. Vermute ich. Aber das, worauf man aus rationaler Sicht wirklich stolz sein sollte, ist doch der Mensch, den man nach und nach hoffentlich anständig erzieht. Also, zu sehen, wie das Leben, welches man geschaffen hat, sich unter anderem durch die eigenen Impulse in die richtigen Bahnen entwickelt.

Beim Grübeln über dieses Thema habe ich mich auch gefragt, wie wohl meine Reaktion sein würde, wenn meine Eltern mir offenbaren würden, dass ich adoptiert worden wäre. Sicher, sie wären dann nicht die Menschen, die mir einst das Leben geschenkt haben, aber sie hätten mich doch unabhängig davon geliebt wie ihren eigenen Sohn? Ja, vielleicht würde ich mich betrogen fühlen. Belogen. Vielleicht wäre das Vertrauen zerstört. Allerdings sind das Reaktionen in diesem Gedankenszenario, die sich in meinem Kopf äußerst unnatürlich anhören, und nicht wirklich greifbar für mich sind. Ja gut, dann haben sie mich halt nicht gezeugt, aber sie haben mich doch trotzdem großgezogen, geliebt, gehütet und unterstützt, wo es nur ging? Und sie haben mir nur deshalb nicht früher erzählt, woher ich komme, weil sie mich dieser Krise so früh nicht aussetzen wollten? Das wären vermutlich meine Gedankengänge. Sicher kann ich das natürlich nicht sagen, schließlich war ich nie in dieser Situation.

Wie denkst du darüber? Kannst du nachvollziehen, wie ich an die Sache herangehe? Oder hältst du mich nun für völlig gefühllos, und würdest mir am Liebsten an den Kopf werfen, wie ich nur so kaltherzig sein kann?

  1. Das deckt sich genau mit meinem Empfinden. Wobei ich es wichtig finde, gleich zu sagen: Biologisch gesehen gibt es keine Väter, die Vater-Rolle ist eine kulturelle Leistung. 🙂

    • keinmenschenfeind keinmenschenfeind

      Da magst du wohl Recht haben. Dennoch werden sie Väter genannt, allein für den Anteil, den sie bei der Zeugung geleistet haben. „Erzeuger“ wird sich vermutlich an der Stelle nicht als Begriff durchsetzen. 😉

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