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Gedanken eines Ex-Rauchers

Ich bin Ex-Raucher. Normalerweise würde ich das gar nicht erwähnen, weil ich mich dabei genauso fühle wie so eine aufmerksamkeitsgeile Nervensäge, die dir ihr neues I-Phone 6 Edge vor die Nase hält und kreischt „Guck mal! Ich hab ein I-Phone!“ Ähnlich wie die Veganer, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie dir nicht währenddessen ihre Tofu-Würstchen ins Gesicht drücken. Da es aber im Folgenden um die Entwicklung der Gedankengänge im Ex-Raucher-Stadium geht, halte ich es dennoch für angebracht.

Eigentlich ist die Aussage falsch. Es gibt keine Ex-Raucher. Das ist ein Status, den man sich eigentlich nur geben sollte, wenn man komplett mit dem Thema abgeschlossen hat. Es darf keine Rolle mehr spielen, weder positiv noch negativ. Bei anderen Dingen mag das wohl gehen. Manchmal. „Ich habe mich getrennt, meine Ex-Freundin und ich gehen nun verschiedene Wege.“ Ja, das haut hin. Unterstützt nebenbei auch die These, dass alle Menschen irgendwann nervig und scheiße werden, wenn man näher mit ihnen zu tun hat. (Jene, mit denen man dann immernoch Kontakt pflegt, scheinen jene zu sein, die man liebt.) Gegen die kann man aber auch etwas tun. Nicht unbedingt aktiv, immerhin leben wir in einem Rechtsstaat, aber man kann sie einfach mal scheiße sein lassen. Muss nur aufpassen dass man sich nicht ansteckt. Irgendwann merken sie, dass wer immer nur mit Scheiße um sich wirft – egal ob gegen andere oder sich selbst gerichtet – irgendwann nur noch Scheiße sieht, was ich persönlich ziemlich kacke finden würde. (Gecheckt? Kacke, weil- ach egal)

Um das einmal klarzustellen: Ich hasse nicht grundsätzlich jeden, dem ich über den Weg laufe. Ich habe ein paar unglaublich liebe Menschen in meinem Umfeld. Aber der Rest ist leider nicht mehr als eine graue Masse, die sich mal diese und mal jene Farbe aufdrücken lässt. Wo war ich…. Ach ja richtig. Thema abschließen.

Mit Menschen ist das einfach, man steckt sie in eine Schublade und lässt sie drin – darin haben wir ja genügend Übung. Eine Sucht kannst du nicht einfach abschieben. Nichts anderes ist das Rauchen ja. Es macht dich süchtig. Natürlich, du kannst normal arbeiten und deinen geregelten Tagesablauf beibehalten – aber nur solange du rauchen kannst. Genauso ist ein trockener Alkoholiker besser dran, wenn er sich fortan von Alkohol fernhält. Es ist aber nur das kleinere Übel. Du musst immer auf der Hut sein, irgendwann kommt die Sucht wieder. Da empfiehlt es sich. unnötige Stressmomente zu vermeiden. Wo wir beim nächsten Problem wären. Man könnte meinen, den Menschen wäre ihr Leben zu langweilig. „Schatz, bist du sicher, dass du fünf Koffer für drei Tage Urlaub brauchst?“ „Natürlich bin ich mir sicher! Ich bin es allmählich leid, dass du mich ständig infrage stellst! Ich will die Scheidung!“ „…“ Mich würde nun interessieren, wie viele der Leser mir nun in Gedanken Sexismus vorwerfen. Und wie viele davon Frauen sind.

Dabei geht es überhaupt nicht um Frauen oder Sexismus – auch Frauen sind ja manchmal ganz wundervolle Wesen – sondern um die Tatsache, dass scheinbar jeder verdammte Mensch darauf gepolt ist sofort Contra zu geben und sich zu rechtfertigen, wenn er/sie auch nur ansatzweise irgendwo Kritik vermutet. Egal, ob sie gerechtfertigt ist oder nicht.                „Hey, deine Ausarbeitung find‘ ich richtig gut, aber ich denke dieser eine Punkt ist noch nicht ganz deutlich geworden-“ „Bitte was?! Was willst du du Hurensohn? Hast du eine Ahnung, wie viel Arbeit da drin steckt? Was ich alles auf mich genommen habe? Alter ich schwör‘, ich kill deine Mutter!“

Da bleiben sie alle für sich, leben in ihrer Welt, sagen zwar sie tun dies oder jenes, schaffen es aber nicht dafür die Zeit freizuhalten weil es keine pauschal geplanten Tage geben darf, alles muss routiniert sein, muss laufen wie eine Maschine.

Vielleicht wundert es dich, dass dieser Text einen so unkomödianten Eindruck macht. Wenn das der Fall ist, so schäme dich! Die Welt hat schon genug Comedians, die für diesen Job wie geschaffen sind. Dass die Leute trotzdem so wenig lachen und fröhlich sind, ist ihnen selbst zuzuschreiben. Da kann ich genauso viel oder wenig helfen wie jeder andere auch. Ich habe ein anderes Anliegen. Ich will, dass du mal anfängst über den Moment hinauszublicken. Kannst ihn ja immernoch im Blickfeld behalten. Und schaue auf deinen Nächsten. Glaube nicht automatisch den ersten Gedanken, den du zu ihm hast. Hinterfrage ihn. Und bitte sei nicht dumm. Denn dumme Menschen werden nicht geboren.

Sie werden geschaffen.

  1. Anonymous Anonymous

    Ex Raucher ? Was soll das sein ? Entweder man lässt den kram hinter sich und kämpft entgegen der Sucht oder man lässt es und nennt sich weiterhin Raucher. Aus deinen Gedanken lässt sich schließen das du in irgendeiner Form weiter konsumierst und es nicht darüber hinweg schaffst. Süchte sind nur Ausgleich für frühere/jetzige Mängel in deinem Leben , denk mal drüber nach.
    Wenn du nur Graue masse siehst dann mach sie doch mal Bunt wenn dir Bunt besser passt , es heist ja nicht umsonst „You turn into what you’re tuned into“ – Graues system,tristes routiniertes Leben = die Graue masse die du jeden Tag siehst. Was hilft ? Helfen natürlich , einfach mal aus der Bahn werfen , lächeln,reden statt anschweigen , freundlich grüßen!
    Die die am wenigsten Geben Brauchen halt am meisten.
    Contra geben , ich denke das kommt daher das wir es so immer wieder überall sehen. Im Fernsehen nachmittags um 2 läuft mal wieder ne Gerichtsshow oder streitende Menschen,dir ist es peinlich anders zu sein (dir villeicht nicht aber anderen) , halt aus der „Norm“ auszubrechen davor haben viele Angst bzw. Angst bewertet zu werden aber im Gegenzug tun sie dies automatisch bei anderen um halt dazu zu gehören – teufelskreis EGO würd ich mal sagen.
    Den Menschen fehlt so viel aber davon haben sie genug.
    Dein Bionisches Auge unterliegt dem eines Scheinbar blinden , helf den „Normalos“ anstatt darüber nachzudenken

    • Deswegen bin ich kein Ex-Raucher. Ich bin Raucher auf Entzug. Und weil ich als Mensch unvollkommen bin, gibt es die seltenen Momente, die mich diesbezüglich über meine Grenzen hinaustreiben. Danach kann ich wieder von vorne anfangen.
      Natürlich ist es ein Ausgleich. Weil ich versucht habe mein Umfeld bunter zu gestalten. Das scheint aber so dermaßen außerhalb der Norm zu sein, dass man auf zu großen Widerstand trifft. Ich muss mich also damit arrangieren, dass ich keine Berge versetzen kann. Was nicht weiter verwunderlich ist, ich glaub dieses Privileg ist den meisten Menschen verwehrt.
      Ich helfe, wo ich kann. Wo ich merke, dass meine Hilfsbereitschaft auf Granit stößt, beginne ich, mich abzuschotten. Ich respektiere es, wenn jemand konsequent Hilfe ausschlägt, weil er/sie denkt, damit alleine fertigwerden zu müssen oder was auch immer der Grund sein mag. Aber ich will mir das nicht jeden Tag ansehen müssen.

  2. Ich sag ja auch nicht, dass ich über irgendwem stehe. Keineswegs. Jeder hat das Recht, Hilfe eines anderen Menschen – in welcher Form auch immer – auszuschlagen. Ich will niemanden zu irgendwas zwingen. Steht mir ja auch nicht zu. Allerdings hab ich aber auch das Recht, in diesem Fall darauf zu verzichten, zuzusehen, wie sich jemand kaputt macht.

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