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„Handwerk ist die einzig wahre Arbeit“ vs „Wer nicht studiert, bleibt dumm“

Ich mag es eigentlich gar nicht glauben, aber es scheint bis heute und noch sehr lange und vielleicht sogar bis zum letzten Menschen Gruppen zu geben (Gruppen sind ja nur Ansammlungen von x Menschen – ich finde, x darf auch ruhig 1 oder 2 betragen, lediglich Kommazahlen sind schwierig), die sich gegenseitig, erfüllt und geblendet von massenweise Vorurteilen, fortwährend angiften. Vielleicht ist Fritzchen ein richtiges Arbeitstier. Das heißt doch aber nicht automatisch, dass er chronisch unterfordert ist, wenn er mal nicht als Handwerker arbeitet. Auch jenseits des Handwerks gibt es, wie dir, lieber – ich nenn dich mal Mensch, um dich nicht auf die Tatsache runterzubrechen, dass du gerade meinen Blog liest – hoffentlich bekannt ist, sehr wohl Arbeiten, die ebenso wie die Arbeit eines Handwerkers aufwendig und kräftezehrend sein können. Klischees sind – wie ich finde – zwar ganz amüsant, wenn man ein wenig darauf herumhackt, werden aber leider einigermaßen nervig und ermüdend, sobald sie zu ernst genommen werden. Genau genommen nerven sie nicht selbst – ein Klischee hat sich seine Rolle ja nicht ausgesucht – sondern jene, die von einem Klischee betroffene Menschen generell benachteiligen und ihnen vielleicht sogar Rechte absprechen. So zum Beispiel außerhalb des Kreises der Handwerker das Klischee, diese würden den lieben langen Tag auf der Baustelle rumgammeln und sich einen Scheißdreck um die zu erledigende Arbeit kümmern. Und die teilweise unterirdische Bezahlung sei daher natürlich gerechtfertigt. Ebenso, wie das Klischee vermutlich hauptsächlich unter Handwerkern Kreise zieht, wonach Studenten tagsüber ihren Hintern in Vorlesungen plattsitzen und in der Nacht die Staatsgelder versaufen, welche selbstverständlich zum großen Teil aus den Taschen der Handwerker stammen. Folglich sind Studenten – die späteren Büromenschen und Anzugträger – allesamt niederträchtige Maden, die es nicht verdient haben zu leben.

Wieder einmal weiß man natürlich alles besser als die Anderen. Sie sind völlig unnötig und man wird mit der Arbeit auch alleine sehr gut fertig und spart dabei sogar Geld, welches man selbst hart verdient hat. Dass man außerhalb des Themenbereiches, mit dem man sich Zeit seines Lebens primär beschäftigt hat, in der Regel relativ wenig Ahnung hat, scheint irrelevant. Wieder einmal frage ich mich: Was zur Hölle geht ab in den Köpfen der Menschen? Warum können sich solche Klischees so stark im persönlichen Weltbild eines jeden Menschen verankern? Warum lasst ihr die Leute nicht einfach das arbeiten, was sie arbeiten möchten und freut euch für sie, weil sie etwas gefunden haben was zu ihnen passt? Wenn man für einen Arbeitsplatz studiert haben muss, wird man dort wohl auch arbeiten. Dass man in den höheren Führungsebenen mehr Geld verdient, ist mir auch klar. Natürlich ist das nicht alles fair. Fairness ist allerdings bei 7 Milliarden Menschen auch ein geradezu utopisches Ziel, das erreichen zu wollen ich als beängstigend naiv einstufen würde. Sofern man denn auch wirklich daran glaubt, Vollkommene Fairness erreichen zu können.

Oder seh ich das völlig falsch? Was ist deine Meinung dazu?

  1. Das Vorurteil gegen das Handwerk ist ja schon ein paar tausend Jahre alt. Ich finde die Borniertheit auf beiden Seiten immer ein wenig ermüdend. Man stelle sich eine Welt ohne Schreiner und Unternehmensberater …. schlechtes Beispiel … Anwälte? … Ärzte! Ärzte sind gut … vor. Ich würde keine Welt ohne Betten und „A sagen“ haben wollen.

    • Aber wie lange wird es noch Leute geben, die sagen „BWL und Jura finde ich langweilig, ich werde Bäcker! Oder Schreiner, oder sonst was.“ Die Situation einiger Handwerker scheint ja wirklich nicht besonders rosig zu sein..Was machen wir, wenn die weg sind?

      • Im ersteren Falle gebe ich Brotbackseminare. Im Zweiten. Mal sehen. Weißt du, die Landwirtschaft wie das Handwerk wurden schon so oft tot gesagt … Es werden weniger Leute werden, die handwerklich gemachten Produkte werden teurer werden (wegen geringerem Angebot) aber ich glaube nicht ans Verschwinden.

        • Das klingt nach einem ausgependelten Szenario – mal sehen, was wird ?
          Aber ich melde mich einfach mal für ein Brotbackseminar an. Nur für den Fall. ?

  2. M M

    Ich war die erste in meiner Verwandtschaft, die auf ein Gymnasium ging. Väterlicherseits bis dato die einzige mit Matura/Abitur. Aufgewachsen bin ich in einem Asozialenviertel. Dort besuchte ich auch den Firmunterricht.
    Bereits im Teenageralter wurde ich dort angefeindet, NUR weil ich das Gymnasium besuchte und somit „was Besseres“ war. Ich lernte mit 15 einen Burschen kennen, der sehr an mir interessiert schien. Als er mich fragte, wo ich meine Lehre mache, erzählte ich ihm, dass ich noch zur Schule ging. Plötzlich verlor er das Interesse.
    „Achso, du bist so eine Gescheite.“
    So viel zu den Vorurteilen gegenüber Handwerkern.

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