Zum Inhalt

Ich bin für Sie der perfekte Mitarbeiter!

„Aber heute ist doch gar nicht Montag, warum veröffentlichst du den Artikel heute? Bleib doch mal bei dem, was du sagst!“ Ach sei ruhig, ich probier halt ’nen bissl was aus. Lass mich mal machen.

Früher oder später kommt jeder an diesen Punkt, da er sich um einen Job bewerben muss. Das ist notwendig, schon klar. Was mich ankotzt, ist die Art, wie sich mir die Situation jedes Mal darstellt. Ich, der junge gelernte Zeichner, bin auf der Suche nach einer Zukunft in einem Unternehmen, welches dann die Entscheidung zu treffen hat, ob ich dort beschäftigt werden kann, und ein geregeltes Leben mit Arbeitsalltag, Wochenende, Urlaub und Gehalt führen darf. Der Eindruck, dass das Unternehmen und ich uns auf Augenhöhe begegnen, kann so gar nicht erst aufkommen. Wer mir Arbeit gibt, ist kein großer Wohltäter, der mir endlich ein Leben ermöglicht, sondern bedient sich meiner Arbeitskraft, was ja auch nicht weiter stört, denn so funktioniert es nun mal. Und meine Arbeitskraft hat tatsächlich auch ihren Wert, auch wenn ich mir selbst wegen meiner Fachkompetenz häufig dennoch viel zu unsicher bin.

Dementsprechend liegt es mir natürlich auch nicht, meine besten Seiten zuerst in einem kurzen Anschreiben aufblitzen, und anschließend -wenn es überhaupt dazu kommt- in einem recht kurzen Bewerbungsgespräch erstrahlen zu lassen. Aber was soll ich machen? Ich muss ja überzeugend darstellen, dass ich der Richtige für den Job bin, dass ich die anderen Bewerber übertreffe. Ohne zu wissen, ob es sich lohnt oder nicht, ob ich letztendlich die Zusage bekomme. Ich muss selbstsicher sein. Ich muss mich damit abfinden, dass ich gelegentlich Fehler machen werde, und dass es völlig normal ist, dass ich deswegen nicht absolut unfähig bin. Denn wie soll mein potentieller Arbeitgeber an mich glauben, wenn ich selbst es nicht kann? Eigentlich weiß ich sehr gut, dass ich den Job kann, dass ich wohl nichts anderes finden werde, was ich auch nur annähernd so gut als Arbeitskraft anbieten könnte. Und dann kommen mir Dinge dazwischen, die mich verunsichern. Meine Vergesslichkeit zum Beispiel. Vor einigen Tagen war ich unterwegs, um (unter anderem) meine Zeugnisse zu holen, und für meine Bewerbungen zu kopieren. Wie ich kürzlich festgestellt habe, fehlten von all den Zeugnissen, die sich angesammelt haben, genau die zwei, die ich brauche. Sollte ich mich davon verunsichern lassen? Vermutlich nicht. Aber wie ich ja vor nicht allzu langer Zeit herausgefunden habe, muss ich mich entgegen jahrelanger Behauptungen mit gewissen depressiven Einflüssen auseinandersetzen, und da kann ich sowas nun mal absolut nicht gebrauchen.

Wie bist du an deinen Job gekommen, bzw wie versuchst du es gerade? Es soll ja auch Leute geben, die eine Bewerbung schreiben und dann ihren Arbeitsplatz bis zur Rente haben… Du bist doch nicht so jemand?

  1. Nein, so jemand bin ich nicht… Den ersten Job bekam ich, weil derjenige, mit dem ich das Gespräch hatte, mich mochte (so habe ich das später erfahren). Den zweiten durch Berufserfahrung plus Selbstsicherheit, den dritten durch Berufserfahrung (ich hatte mich da zwei Jahre zuvor beworben, eine Stelle wurde frei, sie wollten mich. So einfach war das). Und die jetzige ist die zweite, die wiederum erneut frei wurde. Nimm mich nicht als Maßstab. Bei mir flutschte alles. Bin halt ein Glückskind.

Kommentar verfassen

© 2016 by keinmenschenfeind | Alle Rechte vorbehalten
%d Bloggern gefällt das: