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Ich bin nicht depressiv, ich hab einfach nur keine Lust

Ja hallo, ich bin’s wieder. Nein, dieses Thema ist nicht dafür verantwortlich, dass von mir wieder mal so lange nichts kam. Zumindest nicht primär…

Ich bin ja jetzt Student. Das heißt nicht – wie mancher vielleicht vermutet – dass ich 13 Stunden am Tag rumliege und Netflix kaputtgucke, denn ein Ingenieurstudium ist schon etwas anderes als BWL. War es schon immer. Hab ich mir sagen lassen. Vom Prof. Der Impuls hierfür war viel mehr der Gedanke, dass Menschen mit dem Eintritt in dieses „Erwachsenenleben“ natürlich deutlich mehr Verantwortung aufgeladen bekommen. Plötzlich bist du dein eigener Herr. Oder Frau. Viele machen zu Beginn hier und da Fehler… vielleicht auch ein paar mehr… und machen dann vielleicht irgendwann dicht. Hätten gerne eine Auszeit. Die sie natürlich nicht kriegen, weil sie damit nur Arbeit anhäufen würden. Stellenweise kann es also durchaus mal vorkommen, dass einem die Verantwortung über den Kopf wächst. Vielleicht landen sie sogar in einer Abwärtsspirale. Kann ja alles sein.

Das heißt aber nicht, dass jeder Kevin einfach sagen darf er sei depressiv, nur weil er gerade nicht auf sein Leben klarkommt. Das ist nicht ungewöhnlich und – Verzeihung – relativ (Das „relativ“ ist mir hier so wichtig, dass ich es sogar dick und kursiv schreibe) harmlos. Ich hab zwischendurch auch ganze Wochen, vielleicht Monate (kein Zeitgefühl), in denen ich am Liebsten nur aus dem Haus gehen würde, um einzukaufen. Und das auch nur, weil der Supermarkt quasi hinter der nächsten Ecke steht.

Ich hab auch keine Lust, in den letzten 10 Minuten einer Vorlesung für das bisschen Text was noch kommt eine neue Seite anzufangen. Und stelle dann mit der Zeit fest, dass es doch mehr als ein bisschen Text ist. Und frage mich dann, ob es sich noch lohnt, doch mitzuschreiben, weil das ja umso stressiger würde…

Ich hab auch so meine Tage (unregelmäßig und ohne Rumbluterei), an denen ich soziale Interaktion weitesgehend vermeide, weil dies bedeuten würde, dass ich meinen kleinen Raum von stets korrigierbarer Temperatur verlassen müsste. Was ein wichtiger Punkt während dieser Zeit ist, weil das körperliche Befinden ständig zwischen „Gekocht werden“ und „Erfrieren“ hin und her springt. Aber interessiert sich der durchschnittliche Bekannte dafür? Nein! Und das ist völlig in Ordnung.

Mittlerweile kenne ich auch einige Blogs, die ich eigentlich liebend gerne lesen würde. Knackpunkt dabei ist: Ich bin fast nie am PC und wenn ich auf dem Handy rumpatsche, sind mir 1000 Wörter und mehr pro Blogeintrag einfach zu viel. Da hat sich mittlerweile ein beträchtlicher Rückstand aufgebaut, den ich wohl nie mehr aufholen werde. Bin ich also mein eigenes Problem, weil ich lesen will, aber nicht lese? Ja. Aber es stört mich doch nicht. Nicht sehr. Also ich komm schon damit zurecht. Will ich sagen.

Ein Hobby ist dafür bekannt, dass es einem einen Ausgleich vom Alltag geben soll. Freude, Entspannung, Abreaktion (heißt so das Substantiv?), was auch immer. Mein Hobby Nr 1 ist nach wie vor dieser Blog. Dem Hobby nachzugehen erfordert allerdings, selbst aktiv zu werden. Es kann mir keiner erzählen, dass – na gut, kannst du natürlich. Aber du hast garantiert nicht immer die nötige Motivation, deinem H0bby nachzugehen, auch wenn dieses gerade an der Reihe ist. Und da es dein Hobby ist, kannst du völlig frei darüber verfügen. Ich hatte mir auch Gedanken gemacht, ob dieses Hobby wieder einschlafen wird, wenn ich nicht dranbleibe. Tatsächlich scheint es eher weiterzuleben, wenn ich es nur dann ausübe, wenn ich auch Lust dazu habe.

Ein Außenstehender scheint meist darauf zu gucken, ob man auch genug Lebensfreude versprüht. Ich schneide bei dieser Betrachtungsweise schon mein ganzes Leben lang schlecht ab. Weil ich sie schlicht für unpassend halte. Einer der Maßstäbe scheint das Ausleben von Hobbys zu sein – Netflix als alternative Freizeitbeschäftigung ist, wie ich befürchte, in einigen Bevölkerungsschichten noch nicht angekommen. Davon unabhängig gilt man ohne Hobbys als lustlos und zukünftiger Therapie-Patient. Was mir seltsam erscheint, weil man wieder mal eigene Maßstäbe für das Leben anderer ansetzt. Vielleicht sind sie ja so ganz zufrieden. Ich glaube ich verliere mich gerade wieder ein bisschen… Habe jetzt aber keine Lust, den roten Faden zu suchen. Bin ich deswegen suizidgefährdet? Nein, ich will mich nur nicht in irgendein Schema pressen lassen.

Im Ernst, nimm bitte nicht Depression als Entschuldigung, wenn es nicht zutrifft. Denn dadurch wird sie immer weiter herabgestuft, und immer weniger als ernstzunehmende Erkrankung angesehen.  Außerdem scheint es auch völlig normal zu sein, dass man mal sein Soll nicht erfüllt. Denn wir haben doch alle nur ein begrenztes Kraftkontingent. Mit Grenzen an unterschliedlichen Stellen. Oder vielleicht versuche ich auch nur, mich selbst zu rechtfertigen. Aber….ne, glaube nicht. 😛

  1. Gefällt mir vor allem deshalb, weil du in Worte gefasst hast, wofür ich vor Monaten keine Lust hatte.

  2. Amen. Und Lustlosigkeit ist vollkommen legitim.

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