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Irgendwas mit Nächstenliebe

Wie fängt man so ein Thema an? Kann teilweise sehr knifflig sein. Manch einer kennt das. Störfaktor und Basis für diesen Blogeintrag: Nächstenliebe. Besser gesagt die unausgesprochene Pflicht eines jeden einzelnen, seine überschüssigen Ressourcen darauf zu verwenden, dem Nächsten zu helfen. Kommt man dem nicht nach, ist dies zu bewerten wie eine zwar nicht gefordert, aber eigentlich erwartete und dann unterlassene Hilfeleistung.

Das ideale Beispiel sind natürlich Hilfsorganisationen, die ihre Stände in der Innenstadt aufstellen, um dort unschuldige Passanten von der Seite anzuquatschen. „Hey, was geht?“ Hui, wie jugendlich. „Danke, gut. Hab gleich einen Termin beim Friseur.“ „Was lässt du machen?“ „Färben.“ „Boah, klasse! Hast du vorher noch Zeit dir anzuhören, was wir für geilen Shit machen?“ „…Okay.“ „Wir arbeiten gemeinnützig…richtig stolz…tolle Zahlen…brauchen Unterstützung!“ „Versteh‘ ich.“ „Hilfst du uns?“ „Hab zu wenig Geld.“ „Okay, dann viel Spaß beim Friseur. (Arschloch.)“ Hat sie zwar so nicht gesagt, stand ihr allerdings ins Gesicht geschrieben. So, als würde mein Friseurbesuch – dieses eine Detail, welches sie nun aus meinem Leben kennt – automatisch indirekt bedeuten, dass ich generell einen Scheiß auf das Leben anderer Menschen gebe. Weil ich das wenige Geld, welches ich „übrig“ habe, nicht bereitwillig in die Hände einer Organisation übergebe, die mir zwar erzählt sie seien die Samariter im weißen Gewand, die aber genauso gut behaupten könnte, der Weihnachtsmann wäre meine Mutter. Wenn ich mir aber einen neuen Fernseher kaufe oder 3 neue CDs, kann ich mir sicher sein, dass mein Geld sinnvoll angelegt ist.

Die zweite Hauptressource ist die Zeit. Die meisten dürften sie kennen. Was Arbeit angeht, ist sie eng mit der Ressource Geld verknüpft. Arbeitet man irgendwo ehrenamtlich, muss man die Zeit dafür haben – hat diese also nicht zum Geld verdienen nötig – und muss die Voraussetzungen erfüllen, um diese ehrenamtliche Arbeit ausführen zu können. So weit, so uneigennützig. Bis man „plötzlich“ den Wunsch äußert, sein Ehrenamt an den Nagel zu hängen. Von diesem Punkt an begegnet einem von den meisten Seiten nur noch Unverständnis. Hätte man denn kein Herz, wüsste man nicht wie wichtig man für diese Arbeit sei. Die gesamte Ungerechtigkeit der Menschheit wird diesem Menschen vorgeworfen, der das Recht der freien Verfügung über seine Ressourcen behalten bzw. zurückerhalten möchte. …Gut, vielleicht etwas dick aufgetragen. Du weißt schon was ich meine.

Oder willst du mir etwa erzählen du gibst alles über dem Existenzminimum ab? Denkst fortwährend nur an andere? Höchst unwahrscheinlich. Falls doch, kann das nicht gesund sein. Da ist es doch wesentlich effizienter, so viel von deinem Eigentum abzugeben, dass du es zwar missen wirst, mit dem Verlust aber dennoch gut leben kannst. Du allein bist berechtigt diesen Wert für dich zu bestimmen und solltest dir da auch nicht reinreden lassen.

Aber ich lasse mich natürlich gern eines Besseren belehren.

  1. M M

    Das ist eine Betrachtungsweise, die ich so noch nie gehört oder gelesen habe.
    Gefällt mir.

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