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Jeder hat ein Recht auf Menschenrechte. …Theoretisch.

Das Recht auf eine eigene Meinung. Das Recht auf freie Entfaltung. Das Recht auf eine Studentenwohnung. Alles eigentlich Dinge, die jedem Menschen zustehen. …Gut, wenn du kein Student bist dann keine Studentenwohnung. Aber du hast das Recht auf einen Wohnsitz. Dessen Adresse nicht lautet „Unter der (hier bekannten Brückennamen eintragen), Treppenstufe 3. Du hast Recht auf eine richtige Wohnung, mit Wänden und Türen und solchen Shit.

Eigentlich. Wenn du ein Mensch bist. Und wenn du keine Scheiße baust. Was uns zur heutigen Kernfrage führt: Was ist mit Leuten, die teilweise die Rechte ihrer Mitmenschen grundsätzlich mit Füßen treten? Was ist mit diesem IS? Was ist mit Trump? Was ist mit Dieben? Was ist mit dem Kackspaten, der über mir wohnt und gelegentlich die Geräuschkulisse eine mittelgroßen Baustelle erzeugt? Haben solche Menschen wirklich das Recht auf Rechte, die sie selbst ignorieren? Nächstenliebe schön und gut, aber irgendwo muss sie doch ihre Grenzen haben.

Was den IS angeht – Jaja, Zivilisten im Weg. Kann ich mir auch denken. Da hab ich allerdings auch Stimmen gehört, welche die Prioritätenfrage in den Raum gestellt haben. An dieser Stelle habe ich fünf Zeilen Text gelöscht. Ich weiß, ich möchte hier eigentlich möglichst deutlich sein, aber ich will mir keine Volkshetze nachsagen lassen. Wäre mir dann doch ein, vielleicht zwei Nummern zu heftig. So elementar war der Part auch gar nicht. Es ging im Prinzip nur um diese Prioritätenfrage: Wie weit spielen die Rechte des einen bei dem Umgang mit dem anderen eine Rolle, abhängig von der Dringlichkeit?

Wie ich gehört habe, wurde Dieben damals noch ein Finger oder sogar die ganze Hand abgehackt. Wäre es nicht extrem wirkungsvoll, wenn man das wieder einführen würde? Ab einer gewissen Schwere des Vergehens natürlich. Und vielleicht etwas Ähnliches in anderen Bereichen jenseits der Regeln. Zum Beispiel Vergewaltiger…

Über Trump will ich nicht reden. Eigentlich. Über den wird sich ja auch bereits überall das Maul zerrissen. Beschränken wir uns hier mal darauf, wie man als Normalsterblicher mit derartigen rechteverachtenden Menschen umgehen soll. Vor allem, wenn sie Machtpositionen inne haben. Soll heißen, du sagst es mir bitte. Denn ich weiß es derzeit noch nicht.

Klingt alles sehr unchristlich, ich weiß. Von mir aus auch unjüdisch, unmuslimisch etc. Ich bin doch auch nur ein Mensch – und manchmal muss ich Dinge eben möglichst offen ansprechen. Ich hoffe das ist deutlich geworden.

  1. „Wie ich gehört habe, wurde Dieben damals noch ein Finger oder sogar die ganze Hand abgehackt.“

    Je nach Auslegung der Scharia wirst du für die Überlegung das ein oder andere sehr heftige Nicken erhalten und erzählt bekommen, dass das sehr muslimisch ist, Dieben die Hand abzuhacken.
    Ich finde deine Formulierung ein wenig unglücklich: Du sprichst vom Recht auf Menschenrechte. Mit den Rechtsansprüchen, auf die man sich beruft, ist das so eine Sache:
    Wenn du ein Recht auf etwas hast, berufst du dich auf kodifiziertes Recht, ein Gesetzbuch. Damit kaufst du dir zugleich Pflichten ein. Nehmen wir Hartz IV: Darauf hast du ein Recht, sofern du die Bedingungen erfüllst UND die damit verbundenen Pflichten in Kauf nimmst (das Bemühen um eine Arbeitsstelle, das Annehmen von Jobangeboten, etc.), der Anspruch auf das Recht, Hartz IV zu bekommen, ist kein unbedingtes, sondern ein bedingtes. Es hängt von deinen Voraussetzungen und deinem Einwilligungsakt ab (der Antrag ist deine Zustimmung, die Pflichten zu übernehmen).
    Auf Menschenrechte hast du kein Recht, weil sie keinen solchen Akt enthalten. Sie gelten bedingungslos, für alle, zu jeder Zeit. Man meldet keinen Anspruch an und, was ebenfalls wichtig ist: Du kannst sie nicht einklagen, nicht auf juristischem Weg. Das Menschenrecht zu leben ist in Deutschland zwar geschützt, aber auf Basis von Rechten, das den bloßen Versuch einer konkreten Tötung unter Strafe stellt. Dein Menschenrecht wird nicht berührt.
    Von daher: Du hast Menschenrechte. Als moralische Rechte, nicht als juristische Rechte. Du kannst nur an ihre Einhaltung appelieren. Das Problem ist: Sobald du beginnst, sie in Frage zu stellen, verlieren sie ihre Wirkmacht. Nur weil wir die Menschenrechte achten, auch wenn es manchmal weh tut, haben sie Wirksamkeit. Das ist ihre Macht. Und dann sind Menschenrechte tatsächlich nur noch „westliche Werte“, weil der Westen sie für seine Leute reklamiert, aber den Muselmanen, egal ob mit oder ohne Sprengstoff unterm Turban, davon auszuschließen versucht. Oder sich als Barbar entpuppt, der keine andere Form von Gerechtigkeit als „Aug um Aug, Zahn um Zahn“ kennt … Und damit wahre Christlichkeit beweist.

    • Für mich spielt es keine große Rolle, woher eine Maßnahme stammt, sondern viel mehr, was damit bezweckt wird. Natürlich ist die Maßnahme recht radikal, ich frage ja auch nur in alle Richtungen.
      Aber mir persönlich gefällt meine Formulierung. „Das Recht auf Menschenrechte.“ Anders ausgedrückt auch „Das Recht, sich als Mensch bezeichnen zu dürfen.“
      Denn das bringt ja auch gewisse…Normen mit sich. Aber ich denke ich verstehe, was du meinst.
      Natürlich meldet man keinen Anspruch an. Diese meine Fragen nach Rechten bewegen sich auf einer Ebene, die juristisch selbstverständlich keinen Wert hat.
      Ich denke mir nur „Ich bin ein Mensch. Ich genieße Menschenrechte. Sollte ich mich dann nicht auch wie ein Mensch verhalten?“

      • Genau … Das solltest du. Und Teil der Menschlichkeit ist es, eben menschlich zu bleiben, auch wenn andere es nicht tun. Das ist der Witz am Universalismus der Menschenrechte. Und den gibt es auch nur, wenn man eben kein „Recht auf Menschenrechte“ hat, denn Rechtsansprüche kann man verlieren. Aber weil es „Menschenrechte“ sind, kann man sie auch als Idiot nicht verlieren.
        Wenn du sagst „Du bist kein Mensch mehr, weil du gegen die Menschenrechte verstoßen hast, deshalb gibt es keine Menschenrechte mehr für dich“, bekommst du hingegen das Problem: Was ist ein Mensch? Gemäß der Logik ist Mensch derjenige, dem Menschenrechte zukommen. Damit begründet man aber Menschenrechte, die auf Menschsein fußen, mit Menschenrechten. Und schwupps, steckst du in einem Zirkel.

        • Die Logik finde ich ehrlich gesagt etwas seltsam. Aber was ein Mensch ist, frage ich mich immer mal wieder. Eigentlich hinterfrage ich alles von Zeit zu Zeit. (Manchmal vielleicht etwas zu viel, fällt mir gerade auf…) Was wäre, wenn die Menschenrechte nichts mit der Definition des Menschen zu tun hätten sondern nur mit dem Umgang miteinander?

          • Naja … Menschenrecht hat aber doch jeder, der Mensch ist. Und damit kannst du die Definition, was ein Mensch sei, nicht an die Rechte knüpfen, weil die erst eine Konsequenz aus dem Menschsein ist. Erst Mensch, dann Recht.

            Aber das Hinterfragen ist gut und die Frage, was ein Mensch ist … Die ist vertrackt. Um mal zu untertreiben.

          • Das mein ich ja – Mensch kriegt Rechte, aus Gründen verwirkt Mensch sein Recht auf Rechte und hat fortan an eine gesellschaftliche Stellung ohne Rechte (vielleicht auch nur zeitlich begrenzt), ist aber immernoch ein Mensch. So stell ich mir dieses Szenario vor…Nein ich bin nicht seltsam! Hör auf das zu sagen!

          • Vogelfreiheit. Damit erklärst du Leben zur Verhandlungsmasse. Und wenn es einer Gesellschaft gefällt, Eisessen zu verbieten, kannst du als Rechtloser getötet werden, weil du ein Vanille-Eis essen wolltest. 😉

          • Ach jetzt halte doch nicht immer an den bekannten Rastern fest ?
            Man müsste Betroffenen ja nicht mal zwingend alle Rechte nehmen, sondern nur die thematisch relevanten. Davon abgesehen setze ich „rechtlos“ nicht automatisch mit „vogelfrei“ gleich. ?

          • Ich bin hier nur der Anwalt der Gegenseite. Ich finde deinen Gedanken nämlich spannend. Aber wie definierst du einen Zustand, in der auch das Menschenrecht „Leben“ zur Debatte steht, sonst? 😉

          • Letztendlich läuft es auf die Todesstrafe hinaus. Einfach durchgreifen. Klingt recht kalt, aber wenn ein Mensch das Recht seiner Mitmenschen, zu leben, missachtet, ist das in meinen Augen die logische Konsequenz. Alles andere ist nur der Versuch, der Tat eine möglichst gerechte Strafe folgen zu lassen. Aber geht es nicht eigentlich um mehr? Geht es nicht um „das größere Wohl“, wie es bei Harry Potter hieß? Ich spinne nur Gedanken zurecht ?

          • Okay. Todesstrafe. Mit welcher Motivation? Rache? Durch den Tod kehrt kein Leben zurück. Im Gegenteil gibt es einen weiteren Tod. Abschreckung? Funktioniert empirisch erwiesen nicht. Und ich sehe das Problem: Auch wenn da kein Mensch getötet wird, sieht der Nicht-Mensch verdammt menschlich aus.
            Wo dient die Todesstrafe da dem größeren Wohl? Und was ist das größere Wohl? Welchen Plan verfolgen wir? Eine friedliche Menschheit ohne Morde? Dann töten wir also für eine Vision. So wie Stalin für seine sozialistischen Ziele (vermeintliche) Dissidenten im Gulag hat zugrunde gehen lassen. Sag mir, wo die Aberkennung des Menschseins einen positiven Nutzen bringt. 🙂

          • Nicht Rache. Prävention. Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Untaten begangen werden, ist bei diesem Menschen höher als bei anderen. Oder nicht? Immerhin hat er bewiesen, dass er in der Lage ist, seine Hemmungen zu überwinden. Natürlich ist Todesstrafe als Präventionsmaßnahme absolut unzureichend, da sie von vornherein sowas wie…ein Opfer erfordert. Blödes Wort, ich weiß.
            Aber der Täter ist immernoch ein Mensch. Nur eben ohne die Rechte, die er nachweislich und ohne ethisch vertretbare Gründe missachtet hat. Mensch bleibt Mensch. Das größere Wohl war laut Albus und…äh…dem anderen Zauberer, eine friedliche Menschheit. Wenn ich mich recht erinnere. Was natürlich immer das Ziel von diesen großen Wohlbringern ist.
            Wohin das Szenario führen würde, kann ich dir auch nicht sagen. Zumindest noch nicht. Vielleicht hab ich ja irgendwann genug Vorstellungskraft, um es weiterzuspinnen. ?

          • Das Problem, das ich sehe: Damit die Todesstrafe als Prävention wirkt, muss die Welt schon paradiesisch sein. Sonst müssten Japan, die USA, China und Saudi-Arabien heute schon „bessere“ Länder sein als Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Das sehe ich aber nicht. Offenbar gibt es, egal ob mit oder ohne Todesstrafe, Gründe zu morden. Und diese Gründe zu beseitigen müsste unsere erste Aufgabe sein. Ob es dann immer noch Mord gibt, muss sich zeigen. Aber dann dient die Todesstrafe nicht mehr dem Erreichen des größeren Wohls sondern dem Erhalt.

          • Da magst du wohl Recht haben. Ich tauge vermutlich auch nicht dazu, einen Weg zum Erreichen dieses größeren Wohls zu finden. Was ich aber auch nicht so schlimm finde. ?

  2. Ich finde diese Diskussionen immer wieder unheimlich interessant. Vor allem wenn man die unterschiedlichen Sichtweisen betrachtet. (nicht nur eure) Wie sollte man da letztendlich das „richtige herausfiltern. Ich bin damit überfagt. Für mich ist nur wichtig das ic h mit meinem Handeln keinem anderen Schadenzufüge. Und alleine das ist schon schwer genug. Luke.

    • Und das ist einer der Gründe, wegen denen ich hier schreibe – ich will erfahren, was Menschen dazu sagen und damit arbeiten können.
      Um besser darauf achten zu können, niemandem Schaden zuzufügen. ☺

  3. M M

    Wenn ich jemanden töte, weil er getötet hat – bin ich dann denn anders als er?
    Wegsperren ja. Nicht unbedingt als Bestrafung, sondern weil es zum Schutz der anderen notwendig ist. Aber jemandem Schaden zufügen, weil er jemandem Schaden zugefügt hat – dann sind wir auf einer Stufe. Unter Umständen bin ich sogar schlimmer, denn der Rachegedanke drängt sich auf.

    • Bei dem Gedankengang geht es nicht um Schaden zufügen, um Schaden zuzufügen. Es geht darum, den Risikofaktor zu restlos zu beseitigen. Denn Menschen können einen immer überraschen, positiv wie negativ. ?

      Hab ich erwähnt dass ich nicht für die Todesstrafe bin? Das ist nur ein Gedankenspiel ?

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