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Perfekte Momente

Einst hatte ich ja schon mal darüber schreiben wollen. Damals hatte ich mir vorgenommen, dies nachzuholen, sobald ich brauchbare Beispiele habe. Nun bin ich in der glücklichen Position, auf eben solche zurückgreifen zu dürfen.

Zunächst aber sei erwähnt, dass der „perfekte Moment“ eine Illusion ist. Einige kommen sehr dicht ran, keine Frage. Fakt ist aber, dass jeder Moment -so nah er der Perfektion auch sein mag- irgendwann vorbei ist. Wäre es nicht perfekt, dieses Gefühl von Perfektion konservieren und endlos genießen zu können? Theoretisch schon, praktisch auch das nicht. Denn wie so oft ist auch hier die Tatsache vorherrschend, dass wir allesamt fehlerhafte Menschen sind. Hätten wir so etwas wie die Möglichkeit, einen „perfekten Moment“ ewig nachzuempfinden, würden wir früher oder später den Wert dieser Momente aus den Augen verlieren, und sie als selbstverständlich ansehen.

Für mich ist es alles andere als selbstverständlich, dass in dem Moment, da ich diese Zeilen auf Papier schreibe, die Frau meines Herzens an meine Schulter gelehnt vor sich hindöst. Das ist ein „perfekter Moment“, aber ich werde vermutlich nie vollständig ausblenden können, dass einer von uns bald wieder aufstehen wird. Das ist ein sehr kleiner Makel, aber Perfektion bedeutet nun mal Makellosigkeit. Oder kann der Moment nichts dafür und ist an sich wirklich perfekt? Ist es wieder mal der Mensch, der, sobald er ins Spiel kommt, seine Unperfektion mitbringt?

Just in diesem Moment klingelte das Telefon, und damit war der Moment vorbei. Aber das war er: Der Moment, in dem die Welt perfekt ist. Egal, was die ganzen doofen Menschen da draußen gerade wieder für einen Scheiß bauen. Momente wie dieser sind es, in welchen mir vor lauter Zufriedenheitsüberschwang ein „Hach“ entfährt. Und das kam in letzter Zeit nicht selten vor.

Die Frau erwähnt gerade, dass die Momente, in denen wir lachen, genauso perfekt seien. Tatsächlich haben wir viel, langanhaltend und Bauchschmerzen verursachend gelacht. Für mich ist Ruhe allerdings gewissermaßen eine Stufe näher an der Perfektion. Die letzte Stufe. Vielleicht ist das nur eine Haarspalterei, aber Lachen tut halt irgendwann weh. Zusammen auf dem Sofa liegen nicht. Zumindest wenn man dem anderen nicht die Knochen zerdrückt.

48 Stunden später…

Wenn ich so darüber nachdenke, ist das mit dem Ausblenden vielleicht doch nicht so schwer wie ich annahm. In der Zwischenzeit hatten wir die Möglichkeit, weitere Momente dieser Gattung zu erleben. Diese Frau schafft es wie niemand sonst -am allerwenigsten ich selbst-, meinen Kopf auszuschalten. Funkt der nicht mehr dazwischen, interessiert die Zukunft und die Vergangenheit nicht. Dann zählt nur noch das jetzt. Wo wir gerade beim Jetzt sind – ich bin dann mal weg, das meine genießen.

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