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Vertrauen und seine Grenzwertigkeiten

Dass Vertrauen etwas sehr wertvolles ist, sollte bekannt sein. Und fragil. Und es bedarf einiger Pflege. Und wenn man eine Pflanze aus der Erde reißt und auseinandernimmt, ist man wohl nicht der richtige Gärtner für diese Pflanze.

Damit dieses Bild brauchbar sein kann, müsste ich in meiner kürzlich erlebten Situation erstmal definieren, welcher der beteiligten Menschen der Gärtner war, und welcher die zerpflückte Pflanze. Moment, steht die Pflanze nicht eigentlich für das Vertrauen?
…Ich fang nochmal an.
Das Vertrauen von jemandem erhalten heißt, die Macht erhalten diesen Jemand zu enttäuschen, und ihm die gleichzeitig die Verantwortung aufzuerlegen, eben dieses zu verhindern.

„Jedem, dem du vertraust, gibst du ein Messer in die Hand, mit dem er dich schützen oder vernichten kann.“ (Zitat Freundin, weiß es von wemauchimmer.)

Mit diesem Messer gewissenhaft umgehen heißt ja vor allem, ehrlich zu sein. Natürlich besonders bei kritischen Themen/Situationen. Wenn man man in einem wichtigen Punkt anderer Meinung ist. Wenn man was angestellt hat. Wenn man Entscheidungen getroffen hat, welche den Gegenüber vielleicht schwer treffen.

Also ist jeder in einem Vertrauensverhältnis gleichermaßen Gärtner und Pflanze. Der Gärtner hat stets die Macht, mit der Pflanze umzugehen, wie er lustig ist. Die Pflanze ist dem ausgeliefert und muss nehmen, was sie kriegen kann. Es liegt dementsprechend am Gärtner, auf der hellen Seite der Macht zu bleiben, und der Dunkelheit nicht nachzugeben, nur weil dieser im ersten Moment so viel machtvoller zu sein scheint. Der Mensch neigt ja immer wieder dazu, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Bloß kein Risiko eingehen, keine Anstrengungen unternehmen die ja ohnehin ergebnislos sein werden. „Ja, ich könnte versuchen regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen. Aber das halte ich doch eh nicht durch, also lass ich es besser gleich und verwende die Zeit für etwas Sinnvolleres.“ Vielleicht sollte man sich vor Augen halten, dass man manche Entscheidungen früher oder später treffen muss, und irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem man es wirklich nicht weiter aufschieben sollte.

Oder wie siehst du das? Ist das Vertrauen, dass dir ein Mensch entgegengebracht hat, nicht ausreichend gewürdigt, wenn du -aus welchen Gründen auch immer- zum Beispiel einsehen musst, dass deine Prioritäten sich soweit verschoben haben, dass dieser Mensch zu sehr zurückstecken müsste und dementsprechend deine Entscheidung fällst – oder ist eben dieser Umgang die Art von Würdigung, die Vertrauen verdient hat?

  1. Hm. Kann/darf/soll man denn darauf vertrauen, dass immer alles so bleibt, wie es ist? Ich erlebe auch gerade eine Veränderung, die mich nicht glücklich macht. Aber da wird nicht mein Vertrauen missbraucht – sondern es verändert sich etwas. Hilft dir das?

    • Na das ist ja nicht die Art von Vertrauen, auf die ich hinauswollte – sondern das Vertrauen, dass der Gegenüber das Kontaktverhältnis auch bei Veränderungen sorgfältig behandelt oder, sofern dies nicht realisierbar ist, einen Schlussstrich zieht.
      Aber unabhängig davon hast du natürlich Recht. 🙂

      • Ein Schlussstrich ist aber nicht immer die logische Konsequenz. Ehrlichkeit ja – aber dann kann man auch anders weiter machen.

  2. Ich glaube, ich komme bei deinen Gedanken nicht so ganz mit … Aber Vertrauen würdigt man am besten durch Ehrlichkeit. Die kann weh tun, ist aber das Beste, was man bekommen kann.

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