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Worte sind schwach.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. So sagt man dem Bild eine enorme Aussagekraft nach. Leider geht es aber auch ständig nur noch darum, wie bekannt sein dürfte. Mehr, größer, schneller, weiter, länger, potenter, tiefgründiger. Der Wert aller Eindrücke ist somit fortwährend fröhlich am Inflatieren. Außerdem: Ein Bild lässt Interpretationsspielraum. Praktisch, wenn man zum Nachregen andenken (ups…) oder für sich einfach nur etwas festhalten will, aber sehr kontraproduktiv wenn es darum geht, einen bestimmten Eindruck zu vermitteln oder eine möglichst spezifische Frage zu stellen. Der Grund, warum ich schreibe und nicht fotografiere. Denn nachdenken kannst du auch, während und nachdem du das hier liest.

Der Wirkungsgrad scheint allerdings von gefertigten Bildern deutlich höher angesiedelt zu sein, als der von initiativ erteilten Ratschlägen. Viele versuchen zu helfen und greifen auf die bekannte Phrase „Alles wird gut“ zurück. Vielleicht fällt ihnen nichts Besseres ein. Eigentlich ist das ja auch einer der sinnvollsten Sätze, die es gibt – aber dennoch einer der nutzlosesten. Niemandes soeben zerbrochene Welt setzt sich schneller wieder zusammen, wenn du einen auf Jesus machst und ihm versicherst, alles werde gut, er solle nur dran glauben. Du machst dich höchstens etwas unbeliebt. Zumindest ist das meine Erfahrung.

Der schwerste Part dabei, jemandem zu helfen, scheint der zu sein, sich selbst und dem zu helfenden Zeit zu geben. Eigentlich möchte man sofort etwas bewirken können, das die Lage entspannt und setzt sich damit noch selbst unter Druck, was so ziemlich das Unproduktivste ist was man machen kann.

Außerdem, wie mir während des Schreibens auffällt, braucht es seine Zeit bis die passende Formulierung gefunden ist. Und häufig ist die letztendlich gewählte Variante nicht eindeutig genug, was aber eher darin begründet ist dass die simplen Alternativen sich mir nicht erschließen. Eine Schwierigkeit, die ich hier zum Glück thematisch mit einfließen lassen konnte. Was bin ich doch wieder raffiniert!

Und irgendwas wollte ich noch erwähnen…Was war das noch gleich? Übrigens eine weitere Schwierigkeit mit den richtigen Worten. Kurz sind sie da, dann rinnen sie mir durch die Finger wie Sand.

  1. All die Kämpfe kenne ich. Also die mit Worten.

    In schwierigen Situationen hingegen, helfen Worte meist weniger als simples Zuhören. 🙂

    • Die Erfahrung hab ich mittlerweile auch 1-2 Mal gemacht. Am effektivsten ist es wohl immernoch, etwas Sinnvolles dazu zu tun, womit man den Kern trifft. Versuche gerade, mir dieses Gespür anzueignen. Dazu müsste ich nur wissen, was Menschen wollen/brauchen. Was ein eigenes und nicht unbedingt kleines Problem darstellt. 😀

  2. Moin!
    Man kann auch nachdenken während und nachdem man ein Bild betrachtet hat. 🙂 Worte können auch Bilder malen!
    Meine Erfahrungen mit dem Helfen ist die, und das öfter als ich dachte, dass eine Komponente sein sollte, das die Betroffenen auch wollen müssen das man ihnen Hilft. Ich lese viel und gebe selten Kommentare.
    Das viele verständnisvolle Mitleid im Internet kann süchtig machen. Bei vielen, wenn nicht den meisten drängt sich eher der Eindruck auf, das ihre „Probleme“ alles sind was sie haben. Und das wollen sie auf keinem Fall verlieren. Tschuldigung und es soll sich keiner persönlich angesprochen fühlen. Doch dann gibt es auch keine richtigen Worte.Man muss nur auf deren Antworten bei entsprechenden Kommentaren achten.Ich bin auch kein Menschenfeind!!
    Gruß Luke.

    • Klar kann man nachdenken während man ein Bild anschaut, das hab ich ja nicht bestritten 🙂 Aber zum Definieren eignen sie sich einfach nicht. Meine ich.
      Ich merke auch allmählich, dass Hilfe nicht funktioniert wenn sie nicht angenommen wird. An diesem Punkt ist das Thema dann für mich erledigt.
      Danke für den Tipp, werde auf solche Kommentare achten 🙂

      • jeder definiert letztendlich wie er will. Aber ich verstehe was du meinst. Ich würde es für mich so ausdrücken. Das eine ist, was der Schöpfer des Bildes sagen will, das andere ist das was ich sehe. Alles Gute. Luke

        • Exakt. So zB auch Gedichte, die Bilder in Textform. Ich habe es gehasst, diese interpretieren zu müssen, weil meine Interpretation ständig an dem gewünschten Ergebnis vorbeigedriftet ist. Stattdessen versuche ich stets, meine Anliegen möglichst genau zu umschreiben, was häufig ziemlich kontraproduktiv ist ?

  3. M M

    Die Diskussion des besten Helfens hatten wir in einem unserer Gottesdienste, als es um Hiob ging. Das nehme ich mir auch als Vorbild.
    Was machten Hiobs Freunde, als es es Hiob so richtig richtig dreckig ging?
    Sie setzten sich zu ihm und schwiegen. Sieben Tage lang.
    Darum geht es: keine leeren Floskeln. Kein Blabla.
    Einfach da sein. Den Betroffenen wissen lassen: „Ich bin da, wenn du mich brauchst.“ und ihn dann selbst entscheiden lassen, ob er etwas annimmt.
    Das ist mitunter das Schwierigste. Bringt auch das Gefühl des Abgelehntwerdens mit sich. Aber dann ruft man sich ins Bewusstsein, um wen es geht. Nämlich um den Trauernden/Traurigen/Leidenden.So funktioniert es.

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