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Der Ausbildungsmarkt und das IKEA-Prinzip

Auch im leicht fortgeschrittenen Alter gibt es genügend Menschen, die sich noch an eine Ausbildung heranwagen. Ich finde es zwar nicht so ganz richtig, in meinem Fall von einem fortgeschrittenen Alter zu sprechen, aber die Norm gibt ja eher vor, dass man seine Ausbildung direkt nach der Schule, also im Alter von 16 bis 18 Jahren startet. Ich bin bereits ein paar Jahre älter, und sollte mich im Arbeitsleben schon ein wenig auskennen – die Rechnung geht nur nicht wirklich auf, denn einen brauchbaren Einblick in den Arbeitsalltag habe ich ja trotz bereits abgeschlossener Ausbildung in einem anderen Bereich bislang noch nicht bekommen.

Aber die Lehrmeister interessiert das ja nicht – die wollen einen Auszubildenden mit dieser und jener Eigenschaft, und stellen sich ihren Wunschkandidaten quasi nach dem Baukastenprinzip von IKEA zusammen. Ganz ehrlich, dann baut euch einen Roboter aus billigen Materialien für teures Geld, anstatt anfänglich etwas mehr Zeit und Mühe zu investieren, wofür ihr dann schlussendlich einen selbstständig arbeitenden Angestellten bekommt. Ich würde mir auch gerne etwas wünschen: Ein bisschen weniger kleinkindliches „Ich will das aber so!“, und ein bisschen mehr „Das ist nicht hundertprozentig meine Idealvorstellung, aber damit komme ich gut zurecht.“ Auch wenn es um eine Ausbildung geht, scheint es mir so zu sein, als ob in der Arbeitswelt keine Menschen mit eigener Geschichte und Hintergründen gewünscht sind, sondern viel eher glattgebügelte Arbeitsmaschinen. Immer heißt es „Niemand ist perfekt“, aber wehe, jemand hat Fehler! Wer die nicht versteckt, hat allem Anschein nach tendenziell keine guten Chancen, und wird früher oder später im Niedriglohnsektor, oder sogar in der Langzeitarbeitslosigkeit geparkt, wenn er nicht gerade irgendeine brillante oder bescheuerte Idee hat, die ihm Millionen einbringt.

Was ist passiert frage ich, dass Unvollkommenheiten und Eigenarten so hart ausgegrenzt, und als „nicht tragbar“ abgestempelt werden? Was ist passiert, dass wir uns unterm Strich dafür verurteilen, Menschen zu sein? Ich meine, hier und da könnte ich das durchaus nachvollziehen, zum Beispiel bei der Art und Weise, wie wir mit der Natur, der Tierwelt, und Menschen umgehen, die eigentlich unsere Hilfe bräuchten. Aber keine Maschine, sondern auf seine ganz individuelle Art besonders zu sein, macht doch den Menschen aus, oder seh ich das falsch?

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