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„Du blätterst deine Seele zu sehr auseinander!“

Es mag ja sein, dass ich hier für jedermann zugänglich mehr von mir preisgebe, als es üblicherweise der Fall ist. Dennoch achte ich durchaus darauf, die Dinge für mich zu behalten, bei deren Veröffentlichung mich ein ungutes Gefühl beschleichen würde. Ein Unwohlsein. Worüber ich bisher geschrieben habe, fällt nicht darunter, und sollte meiner Meinung nach viel mehr thematisiert werden. Dieses zwischenmenschliche. Wie wirke ich auf andere, wie nehme ich sie wahr, wie hinterfrage ich beides mit der höchsten Effizienz und dem größten Nutzen?

Der Chef meiner derzeitigen Praktikumsstelle hat mich zum Start des Praktikums darauf angesprochen, dass ich „meine Seele im Internet ja ganz schön auseinanderblättere“. Er selbst würde das nicht so machen, und riet mir auch davon ab, in diesem Stil fortzufahren. Übrigens – Hallo Chef, wenn du das liest, mach mal Piep!

Die Dinge, die ich hier erzähle, seien nach seinem Ermessen nicht für die Außenwelt bestimmt, er erzählt mir zB ja auch nicht alles. Jetzt mal ganz im Ernst: Was man hier nicht von mir lesen darf, findet man auch nicht. Worüber ich offen schreibe, ist mir nicht zu privat. Es lässt mich vielleicht nicht alles gegenüber einem potenziellen Arbeitgeber im besten Licht erstrahlen, und in bisherigen Vorstellungsgesprächen habe ich auch nichts davon angesprochen, aber wenn der sich die Mühe macht, mich im Internet zu stalken (Zu krass? Na gut, er hat mich gegoogelt.), und sich dann aufgrund des Ergebnisses gegen eine Anstellung entscheidet, ist das nicht eigentlich besser für uns beide? Mal ehrlich, jeder hat doch mit Schwierigkeiten in diesen oder jenen Punkten zu kämpfen. Üblicherweise wird das nur eben totgeschwiegen, was ich persönlich nicht für die richtige Taktik halte.

Oder ist diese meine Einstellung zu naiv? Ist das gesellschaftliche Denken so dermaßen unflexibel und festgefahren, dass man grundsätzlich so tun sollte, als hätte man keine Probleme, welcher Art auch immer? Soll man die Illusion aufrechterhalten, man hätte nie Rückschläge erlitten? Wäre ich ein Personaler, ich würde mir eher Gedanken machen, wenn ein Bewerber mir erzählen würde, sein bisheriges Leben sei komplett reibungslos verlaufen. Vielleicht würde ich aber auch einfach keinen besonders guten Personaler abgeben.

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