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Und plötzlich hab ich angefangen, zu leben – Jahresrückblick 2017

Auch wenn auf den letzten Tag des Jahres doch wieder nur ein neuer Tag folgt, ist dies wohl der günstigste Zeitpunkt, um einmal die vergangenen 365 Tage im Kopf zu reflektieren. Was in diesem Zeitraum besser, was schlechter gelaufen ist, als man sich das vorgestellt hat, wie hat das Jahr begonnen, was hat sich verändert… In einem Jahr passiert eben viel. Und wenn ich mir einen Tag aussuchen sollte, an dem ich die vergangene Zeit nochmal im Kopf durchgehe, dann würde ich vermutlich auch diesen Zeitpunkt wählen.

Erstmal war alles wie immer

Das Jahr begann für mich wie jedes andere auch. Ich war in der Gesellschaft von Menschen, die den Eindruck auf mich machten, als hätten sie mich gerne dabei. Die Stimmung war gut, ich hab nicht einfach in meinem Studentenzimmer gesessen, und darauf gewartet, dass die Zeit weiterläuft. Ich hatte Menschen um mich, von denen ich dachte, sie würden mich verstehen. Naja, so kann man sich irren. Hätte ich damals bereits gewusst, wem ich da gegenüber sitze, hätte ich wohl das Studentenzimmer vorgezogen.

Der Januar verlief ins Leere. Nicht nur, dass ich mein erstes Semester des Bauingenieurstudiums bereits dort in die Tonne treten konnte, weil ich seit Dezember wieder in psychiatrischer Behandlung, und einfach nicht in der Lage war, mich auf’s Lernen zu konzentrieren, diese Behandlung hat sich natürlich wahnsinnig in die Länge gezogen, wie das eben mit psychischen Geschichten so ist. Eine lange Wartezeit, ein kurzes Gespräch mit dem psychosozialen Berater des Studentenwerks, die Empfehlung einer Psychiaterin und eines Neurologen, Wartezeit, ein weiteres kurzes Gespräch mit der Psychiaterin, die Weiterleitung an eine Therapeutin, Wartezeit, ein kurzes Gespräch mit dem Neurologen und eine vorläufige Diagnose, Wartezeit, oh Moment, wir sind im Februar. Der ganze Januar ging für die Psyche drauf, ich war einmal in einer Vorlesung, aus der ich nach ca 15 Minuten wieder rausgegangen bin, weil es keinen Sinn machte. Die gesamte restliche Zeit war ich nur damit beschäftigt, mich über Wasser zu halten, und mich dazu zu überwinden, wenigstens irgendwas zu tun.

Von jetzt auf gleich war sie einfach da

Und dann kam der siebte Februar. An eben diesem Tag hatte ich meinen Termin bei dem Neurologen, und wurde am Vormittag von einer Twitterin angeschrieben, die sich darüber wunderte, dass ich jeden ihrer Tweets mit einem Herzchen versah. Mal davon abgesehen, dass jedes Herz verdient war, schließlich waren die Tweets gut geschrieben, sind wir bereits nach wenigen Nachrichten, die wir miteinander ausgetauscht haben, auf WhatsApp umgestiegen, und haben den lieben langen restlichen Tag miteinander geschrieben, per Sprachnachricht gesprochen, gelacht, wir hatten einfach einen wundervollen ersten Kontakt, von dem wir dennoch nicht ahnen konnten, welche Folgen dieser noch haben wird. Für’s Erste war sie ein Mensch, mit dem ich auf einer sehr angenehmen Ebene kommunizieren konnte. Woher hätte ich denn wissen sollen, was sich daraus entwickelt?

Eben dies sollte ich sehr zeitnah erfahren. Innerhalb kürzester Zeit sind wir einander so nahe gekommen, ohne uns überhaupt einmal gegenübergestanden zu haben, dass es beängstigend war. Nicht nur, weil es zuvor noch nie einen Menschen gab, dem ich mich so sehr öffnen konnte, wir haben gerade mal fünf Tage gebraucht, bis wir soweit waren, dass wir dem anderen unsere Liebe gestanden haben. Wir haben uns mehrfach überschlagen, und wussten weder vor noch zurück, denn natürlich sind wir mit diesem Tempo nicht zurechtgekommen. Wir waren auch bereits an dem Punkt, an dem wir schon wieder damit abgeschlossen hatten, und dennoch haben wir zueinander gefunden, und sind kurz darauf so ganz real aufeinander getroffen, und konnten unser Glück nicht fassen, endlich zuhause angekommen zu sein. Das Leben hatte begonnen.

Und wie das mit dem Leben so ist, hat es neben dem Luxusgefühl, nicht mehr nur zu existieren, eben auch seine Schattenseiten, die kurz darauf zutage gekommen sind. Die Menschen, mit denen ich noch an Silvester zusammengesessen hatte, haben mir ihr wahres Gesicht gezeigt, und selbst das nur nach und nach. Immer mehr ist mir bewusst geworden, wem ich da mein Vertrauen geschenkt habe. Und so kam es, wie es kommen musste: Ich habe den Kontakt beendet. Ich wollte nicht zulassen, dass diese Menschen weiterhin die Möglichkeit haben, mein lang ersehntes Glück ins Wanken zu bringen.

Es folgte die Umkrempelei meines gesamten Lebens – von dem Plan, mein Studium bei der nächstgelegenen Hochschule weiterzuführen, über den Umzug in die Nähe meiner Frau, bis hin zum Abbruch des Studiums, um mich nach einer Arbeitsstelle als Bauzeichner umzusehen. An jedem einzelnen Punkt hing eine Menge mit dran. Ein Studium hätte für Spannungen in einem Ausmaß gesorgt, die mir dieses schlicht nicht wert gewesen wäre. Mal ganz von dem Beruf abgesehen, den ich nach Abschluss dessen ausgeübt hätte – zu viel Arbeit, und zu wenig Zeit, um das Miteinander zu genießen. Da verdiene ich lieber etwas weniger, kann trotzdem davon leben, und habe Zeit für das, was mir am Wichtigsten ist: Den Ruhepol in Menschenform an meiner Seite. Und weil ich nun nicht mehr alleine war, waren da die Dinge der Frau, denen sie sich entgegenzustellen hatte, die nun auch in meinem Alltag eine wesentliche Rolle spielten – und auch immer noch spielen. Denn ihr Leben blieb natürlich nicht einfach stehen, wenn bei mir etwas anstand. So hatte sie im Laufe des Jahres so viele Arzttermine zu bewältigen, dass wir den Überblick verloren haben. Da es sie jedes Mal einiges an Überwindung gekostet hat, diese wahrzunehmen, hab ich eben meine Dinge für den Moment hinten angestellt, um sie unterstützen zu können. In der ersten Jahreshälfte waren dies einige Termine beim Zahnarzt wegen dem letzten Weisheitszahn, der noch zu ziehen war, und einer darauf folgenden Wurzelbehandlung, die sich eine Weile gezogen hat. Zusätzlich kam im Sommer der Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, welcher sie dermaßen tief in ein Loch gestürzt hat, dass alles andere für mich absolut irrelevant war. Das Einzige, was zählte, war, dass sie diese Zeit übersteht.

Menschen ändern sich

Dann kam der September, und die nächste Entscheidung wartete auf mich. Eine, die weitreichende Folgen haben sollte. Wie viel ist mir eine Freundschaft wert, wie wichtig ist es mir, dass ich von dem befreundeten Menschen von Zeit zu Zeit etwas höre, und inwieweit bin ich selbst bereit dazu, dieses zu leisten, und damit, wenn auch womöglich nur kurzzeitig, meine Beziehung hinten anzustellen? Ich habe einige Zeit gebraucht, um mir einzugestehen, dass ich neben meiner Beziehung, einer Freundschaft, so lange sie auch schon andauern mag, nicht den Stellenwert einräumen möchte, den sie verdient hat. Erst recht nicht, wenn besagter Freund nicht vergleichbare Bemühungen investiert, um die Freundschaft aufrecht zu erhalten. Ich musste eine Entscheidung treffen. Beides war nicht möglich, und den Scheiß von wegen „Liebe ist irgendwann vorbei, Freundschaften halten ein Leben lang“ hab ich auch schon mehrfach gehört, und halte ich für absoluten Schwachsinn. Für mich kommt es immer darauf an, wer mein Gegenüber ist, und nicht, welcher Bekanntheitsgrad mich mit diesem Menschen verbindet. Natürlich beendet man den Kontakt zu einem flüchtigen Bekannten schneller als zu einem engen Freund, aber es spielt eben auch eine Rolle, was man mit dem Einzelnen verbindet, und da steht eben meine Frau stets ganz oben auf der Liste, was einer der Gründe ist, aus denen ich sie im Alltag stets „Lieblingsfrau“ nenne. Nicht nur, dass die Freundschaft nur noch etwas war, was am Leben erhalten wurde, indem ich von Zeit zu Zeit mehrere hundert Kilometer gefahren bin, um besagten Freund zu besuchen, die Lieblingsfrau ist mir schlicht näher gekommen, als es je ein Mensch zuvor getan hat, und hatte ganz einfach den höheren Stellenwert in meinem Leben. Mag daran liegen, dass sie den höchsten Stellenwert hat. Die Konsequenz war, dass ich die Freundschaft beenden musste, was ich dann auch getan habe. Ich wusste, dass es das Richtige war, es fühlte sich auch so an, und trotzdem war es sehr seltsam. Dieser Abschied hat eines der wohl seltsamsten Gefühle ausgelöst, die ich jemals gefühlt habe. Ich kannte diesen Menschen seit dem Kindergarten. Ich bin mit ihm zur Schule gegangen, ich habe die üblichen Dummheiten eines Teenagers mit ihm angestellt, er stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Eben bis zu dem Zeitpunkt, da ich fortgezogen bin, um studieren zu gehen. Damals war es mir noch nicht bewusst, aber das war der Anfang vom Ende unserer gemeinsamen Reise. Vielleicht seh ich ihn eines Tages mal wieder, aber ein Teil meines Alltags ist er nun nicht mehr.

Doch der September hielt noch weiteres für mich und die Lieblingsfrau bereit. Das Sommersemester lief aus, ich hatte meine Exmatrikulation angemeldet, und war im Begriff, meine Bemühungen um einen Arbeitsplatz als Bauzeichner, die ich im Mai schon mal gestartet hatte, fortzuführen. Als erstes stand allerdings der Gang zum Arbeitsamt an, schließlich muss ich ja von irgendwas leben. Und Amtsmenschen gehören zu den zwei Personengruppen, die mir in diesem Jahr hart auf den Sack gegangen sind. „Termin dann und wann, kommen Sie bitte her.“ Ich kriege einen Stapel Formulare in die Hand, und darf wieder gehen. „Dieses oder jenes passt nicht, da haben Sie etwas falsch gemacht. Nein, es war nicht mein Fehler, dass ich Sie nicht davon in Kenntnis gesetzt habe. Es ist Ihr Problem, dass Sie auf uns angewiesen sind, also tanzen Sie auch nach unserer Pfeife.“ Es gab Momente, in denen ich kurz davor war, das Gebäude einfach zu verlassen, als die Jobvermittlung der Agentur für Arbeit (das sind nämlich in NRW zwei getrennte Bereiche, die nichts miteinander zu tun haben, obwohl sie im gleichen Gebäude sitzen – wer denkt sich nur so einen Bullshit aus?) mir offenbarte, dass sie nicht sicher seien, ob ich mich wirklich Bauzeichner nennen dürfe, weil ich meine Ausbildung an einer Schule gemacht habe. Wozu habe ich dann zum Abschluss meiner Ausbildung meinen Gesellenbrief erhalten?

Inmitten dieser Zeit, in der ich vom Amt zum Narren gehalten wurde, kam mein Vater uns besuchen. Und das nicht einfach nur so, was natürlich an sich schon ein Grund zur Freude gewesen wäre, nein. Er hat mir ein Auto finanziert. Mit folgendem Hintergrund: Ich hasse die Bahn. Und die Busse, und Taxis erst recht. In Niedersachsen gab es den Metronom, der war immer zuverlässig, auf den konnte man sich verlassen. Ich war bestürzt, als ich am eigenen Leib erfahren habe, was passiert, wenn man weiter südlich auf die Zugpünktlichkeit setzt. Man fällt auf die Nase, und zwar so richtig. Ein Busfahrer kann ab einer gewissen Entfernung, die er zurückzulegen hat, nie wirklich einen genauen Zeitraum nennen, zu dem er am Ziel eintreffen wird. Vielleicht um 19 Uhr, vielleicht aber auch um 19:30, wir werden sehen. Natürlich kann er nichts dafür, aber wenig halten darf ich von diesem Prinzip doch trotzdem, oder? Was das Taxi angeht, so habe ich dieses Jahr einmal auf eines zurückgegriffen, und werde es Zeit meines Lebens nicht mehr tun, solange es sich irgendwie vermeiden lässt. Der Anlass war, dass der Zug Verspätung hatte, und ich davon ausgehen musste, dass er einfach ausgefallen ist. War er tatsächlich nicht, und ich hab ihn sogar noch auf dem Bahnsteig einfahren sehen, kurz bevor ich ins Taxi stieg. Wäre ich mal zurück zum Zug gerannt. Das Taxi hat mich ca 12 km gefahren, und dafür über 40€ verlangt. Wenn man in Betracht zieht, dass das knapp eine Tankfüllung des Autos ist, auf das ich nun Zugriff habe, mit der ich mehrere 100 km fahren kann, sollte klar sein, warum ich mich dafür entschieden habe. Und dieses Auto, naja, gehört eigentlich meinem Vater. Ich habe ihm noch nicht einen Cent des Kaufpreises zurückbezahlt. Was einer der Gründe ist, warum ich am besten gestern in meinem neuen Job anfangen möchte. Das Amt sagt „Spring, oder sieh zu, wo du bleibst“, und ich frage mich, wie ich sonst über die Runden kommen soll. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine eigene Wohnung, bin nur für den Übergang bei der Lieblingsfrau und ihrer Mutter eingezogen, um hier Fuß fassen zu können, und will ihnen natürlich nicht auf der Tasche liegen. Als nächstes stand also erstmal die Suche einer eigenen Wohnung an, allein schon, damit mein ganzer Krempel nicht weiter die ihre verstopft. Womit wir zur zweiten Personengruppe kommen, die mir in diesem Jahr hart auf den Sack gingen: Wohnungsmenschen.

Die Wohnungssuche

Anfang Oktober hatte ich einen Besichtigungstermin in einer kleinen Wohnung, welche die Lieblingsfrau entdeckt hat, auf die der Begriff „Baustelle“ besser gepasst hätte. Der Fußboden war noch nicht zu, die Fliesen im Bad waren nicht vollständig gelegt, die Terassentür war noch nicht drin, der Garten war zugemüllt. Die Begründung des Hausverwalters: „Ich mache hier erst etwas, wenn ich einen unterschriebenen Mietvertrag gesehen habe.“ Das klang damals schon seltsam, immerhin sind die Chancen, einen Mieter zu finden, deutlich höher, wenn die Wohnung auch aussieht, als ob sie vermietet werden soll. Aber nun gut, ich brauchte eine Wohnung, und wenn der nette Herr Hausverwalter dann anfängt zu renovieren, ist das ja okay. Am Arsch. Versprechungen wurden nicht eingehalten, der Vermieter ist mit dem Mietvertrag nicht um die Ecke gekommen, und irgendwann ging ich wohl sogar dem geduldigen gutherzigen Herrn Hausverwalter so auf die Nerven, dass er mich abgewürgt hat, als ich ihn gerade anrief, um ihm mitzuteilen, wenn ich den Vertrag nicht bis zum Tag X habe, kann der Vermieter sich einen anderen Dummen suchen. „Sie stören gerade. Tschüss.“ Das war das letzte, was ich von ihm gehört habe. Tatsächlich habe ich am selben Tag dieses Telefonats Besichtigungstermine bei zwei weiteren Wohnungen, welche ebenfalls die Lieblingsfrau entdeckte, ausmachen können – für den nächsten, und den übernächsten Tag. Ein völlig anderes Tempo, und ein völlig anderer Eindruck der Menschen, mit denen ich zu tun hatte, und noch habe, denn eine der Wohnungen ist es geworden. Eine Woche später ist der Vermieter mit dem Mietvertrag in der Tasche angereist, wir beide haben unterschrieben, fertig. Zumindest mit der Suche. Darauf folgte wiederum ein sich natürlich ewig hinziehender  Antrag auf ALG 2, und die Notwendigkeit, sich mit dem Vormieter auseinanderzusetzen. Eher war das nicht möglich, weil ich ja für den Übergang bei der Lieblingsfrau untergekommen war. Für das Amt hieß das, ich wohne mit anderen Menschen zusammen, von denen einer selbstständig ist, und folglich bilden wir eine „Bedarfsgemeinschaft“. Sie hätte also ihre Finanzen offenlegen müssen, um belegen zu können, dass sie nicht in der Lage dazu ist, mich zu unterstützen. Ich habe also in den sauren Apfel gebissen, erstmal nur ALG 1 erhalten (zum Glück hatte ich noch ein paar Monate Restanspruch, da ich ja einst Bundesfreiwilligendienstleistender war), und seit ich nun in einer eigenen Wohnung gemeldet bin, bekomme ich auch das berühmt-berüchtigte Hartz4.

Der Vormieter also. Zu Beginn war er noch ganz sympathisch, als es dann aber daran ging, die Wohnung zu renovieren, hat auch er wieder sein wahres Gesicht gezeigt: Die Wände hat er so belassen, wie sie waren, und mir auch nicht die Materialkosten erstattet, die mittlerweile anfallen, obwohl etwas anderes abgesprochen war, Seine Sofas standen eine ganze Weile noch in der Wohnung, und anstatt sich in irgendeiner Art und Weise kooperativ zu zeigen, ließ er diverse drogenbezogene Anspielungen vom Stapel, und vernichtete jede Chance auf eine auch nur ansatzweise wertschätzende Kommunikation. Glücklicherweise stand mir auch da die Lieblingsfrau zur Seite, und hat mich dabei unterstützt, dem Vermieter gegenüber einen Umgangston zu finden, welcher nicht zu fordernd war, und doch die Dringlichkeit meiner Situation zum Ausdruck gebracht hat, sodass zumindest dieser sich entgegenkommend verhalten hat. Es ging weiter, zumindest ein wenig. Wir konnten meinen Kram in die Wohnung verfrachten, wir sind dabei, wann immer die Zeit und Energie dafür vorhanden ist, die Renovierung voranzutreiben, und auch mein Vater hat mir seine Unterstützung zugesichert – allerdings hat natürlich auch er nur begrenzt Zeit, und wir stehen permanent unter Zugzwang. Aktuell ist noch unklar, wie lange diese Wohnung eine Baustelle sein wird, bis wir sie tatsächlich Zuhause nennen können.

Dank ihr war es wirklich Weihnachten

Und plötzlich stand der Dezember vor der Tür. Die Lieblingsfrau hatte inzwischen einen Haufen weiterer Termine – beim Zahnarzt, um eine Krone zu erhalten, eine Schiene steht noch aus. Des weiteren beim HNO, und bei ihrem Hausarzt, und beides hat sie einiges an Kraft gekostet. Und weil die Adventszeit nicht schon stressig genug war, kamen noch sechs Physiotherapiestunden dazu. Dennoch, und das ist trotz allem etwas Wunderschönes, ist sie der Grund, warum ich Weihnachten dieses Jahr das erste Mal anders wahrgenommen habe. Früher hingen auch in der ganzen Stadt Lichterketten rum, aber das hab ich nie mit weihnachtlicher Stimmung verbunden, sondern viel mehr mit dem Hintergedanken der Stadt und der Geschäfteinhaber, die Einwohner in eben diese Stimmung zu versetzen, und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dieses Mal war alles anders. Die Vorfreude der Lieblingsfrau hat einen Zauber entfacht, den ich noch nie zuvor gespürt habe. Wir haben gemeinsam Plätzchen gebacken, jeden Tag ein Türchen des Adventskalenders geöffnet, Schneeflocken aus Papier zurechtgeschnipselt, wir haben zusammen einen Tannenbaum gekauft und geschmückt (hab ich früher auch mit der biologischen Familie gehabt, aber eben nur, weil ich gelernt hatte, dass man das so tut, und nicht aus einem Bedürfnis heraus), und Freude bei der Suche nach einem Geschenk für die Lieben erlebt. Das Beisammensein an Heiligabend und am ersten Weihnachtstag hatte einen völlig anderen Charakter. Dies war eine Zusammenkunft, die man nicht einfach zu einem x-beliebigen Zeitpunkt abhalten kann – also schon, aber an jedem anderen Tag hätte das etwas Seltsames. Diese Frau, die gerade neben mir auf dem Sofa sitzt und ihren eigenen Jahresrückblick für Pixeldetail schreibt, hat die Magie in mein Leben getragen. Und mitunter dafür werde ich ihr ewig dankbar sein.

Ein neues Jahr, ein neues Abenteuer

Und nun kommt der Jahreswechsel. 2017 hat mein Leben in einer Art auf den Kopf gestellt, die ich so niemals erwartet hätte, die ich aber sehr freudig angenommen habe. Wir gehen nun gemeinsam in ein neues Jahr, starten ein neues Abenteuer. Mit einigen Vorsätzen im Gepäck, die wir im Idealfall alle umsetzen können. Ich bekomme hoffentlich zwei neue Hörgeräte, weil meine Schwerhörigkeit viel zu häufig für Missverständnisse und Spannungen gesorgt hat, und ich Grund zu der Annahme habe, dass die Technik mittlerweile soweit ist, dass sie mich auch da unterstützen kann, wo ich Unterstützung nötig habe. Ganz einfach ist das nämlich nicht, Lautstärke ist eben nicht alles – die Impulse müssen ja auch ihren Weg finden, um verarbeitet werden zu können. Außerdem muss ich noch Maßnahmen ergreifen, um meine Konzentrationsschwierigkeiten, und ebenso meine Depression (oder auch Form der Hypersensibilität – vollständig sicher bin ich mir da noch nicht) in den Griff zu bekommen, um mich nicht von jedem Windstoß zu Fall bringen zu lassen. Davon abgesehen strebe ich, wie schon erwähnt, natürlich an, meine Arbeitslosigkeit zu beenden, und nicht mehr auf die Gunst dieser Amtsmenschen angewiesen zu sein. Die Lieblingsfrau ihrerseits will ebenso aufräumen – die körperliche und seelische Gesundheit soll wieder hergestellt werden, und ihr Blog und ihr Internetshop sollen wieder mit mehr Leben gefüllt werden. Wer sich dafür interessiert, kann gerne dazu ihren Jahresrückblick lesen, in dem sie ausführlicher darauf eingeht. Übrigens, neben all diesen Vorsätzen, die eher aus einer Notwendigkeit heraus entstanden sind, habe ich mir auch einen gesetzt, einfach nur, weil sich daraus etwas Schönes entwickeln soll: Ich will lernen, Gitarre zu spielen. Zu diesem Zweck habe ich mir kürzlich eine bestellt, und werde, sobald diese eingetroffen ist, täglich mindestens eine Stunde üben, und mir unter den Liedern, die ich mir bereits notiert habe, eines raussuchen, welches ich ihr vorspielen werde, wenn der Tag gekommen ist an dem ich sie frage, ob wir denselben Nachnamen tragen wollen. Natürlich ist unsicher, ob es im nun startenden Jahr dazu kommen wird, aber ausschließen kann und möchte ich das nicht.

2018 also. Was wird passieren, welche Freuden, und welche Schmerzen werden wir erleben, wo werden wir uns stark fühlen, und wo schwach, vielleicht sogar machtlos? In jedem Fall freue ich mich auf den weiteren Verlauf dieser Reise, bei der eines feststeht: Ich gehe sie gemeinsam mit der Liebe meines Lebens, wir werden die Talfahrten zusammen überstehen, und die Höhenflüge gemeinsam genießen. Das ist es, was ich Leben nenne.

2 Comments

  1. Oh, wie schön! Ich freue mich immer wieder, Misanthropen lächeln zu sehen (und das tust du am Ende!), denn das zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Einen guten Rutsch euch beiden!

    • keinmenschenfeind keinmenschenfeind

      Danke dir – komm gut ins neue Jahr!

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